Wissen
Der Lagewert: wie voll ist voll?
Warum „847 Störungen“ nichts aussagt, solange man nicht weiß, ob das viel ist.
Die Zahl der gemeldeten Störungen allein sagt wenig. Ob 847 Störungen in Deutschland viel oder wenig sind, weiß nur, wer den Vergleichswert kennt – und der hängt von Tageszeit und Wochentag ab. Dienstag um vier Uhr morgens ist dieselbe Zahl außergewöhnlich, die Freitag um siebzehn Uhr unauffällig wäre.
Der Lagewert löst das. Er ist eine Zahl zwischen 0 und 100 und vergleicht die aktuelle Lage nicht mit einem festen Grenzwert, sondern mit dem, was zur gleichen Zeit an den gleichen Wochentagen der Vorwochen üblich war.
Wie er gebildet wird
Für jeden Ausschnitt – Deutschland, ein Bundesland, eine Autobahn, ein Ort – werden fortlaufend drei Kennzahlen festgehalten: die Zahl der Störungen, der aufsummierte Zeitverlust und die betroffene Streckenlänge. Für den Lagewert wird der aktuelle Stand mit dem Mittelwert derselben Stunde der letzten Wochen verglichen. Der Zeitverlust wiegt dabei am schwersten: Er ist die Kennzahl, die am unmittelbarsten beschreibt, was eine Störung kostet. Er stammt aus Bewegungsdaten auf Autobahnen; amtliche Polizeimeldungen zählen darin nicht mit.
50 bedeutet: genau so wie üblich. Darunter ist es ruhiger als sonst, darüber voller. Werte über 80 kommen bei Ferienbeginn, Unwettern und größeren Unfällen vor.
Was als Störung zählt
Staus, Unfälle, Hindernisse, Pannenfahrzeuge, Rutschgefahr, schlechte Sicht und Falschfahrer. Baustellen, Blitzer und Sperrungen zählen nicht mit – weder in die Zahl der Störungen noch in den Lagewert. Baustellen und Blitzer sind Zustände der Straße: Eine Baustelle steht Wochen, ein fester Blitzer steht Jahre, ein Blitzeranhänger einige Tage, und alle sind vorher bekannt. Sperrungen sind eine eigene Lage auf der Karte; bundesweit sind es so viele, dass sie die Kennzahl sonst überdecken würden.
Der Unterschied ist nicht theoretisch. Bundesweit sind ständig über zwölftausend Baustellen gemeldet und meist nur einige Dutzend Staus. Zählte man beides zusammen, wäre der Lagewert einer Stadt im Wesentlichen die Zahl ihrer Baustellen – nachts wie zur Hauptverkehrszeit fast dieselbe Zahl, und damit ohne jede Aussage über die Frage, um die es geht. Sichtbar bleiben Baustellen und Blitzer trotzdem: Baustellen, mobile und teilstationäre Blitzer auf der Karte, in der Aufteilung nach Meldungsart und auf ihren eigenen Seiten, die festen Blitzer als eigene Ebene der Karte, die sich mit einer Schaltfläche einblenden lässt – alle mit eigener Zählung auf ihren eigenen Seiten.
Warum er manchmal fehlt
Der Lagewert braucht Vergangenheit. Für einen Ausschnitt, über den noch keine mehrwöchige Reihe vorliegt, gibt es keinen belastbaren Vergleichswert, und dann steht an seiner Stelle ein Strich. Ein geschätzter Wert wäre an dieser Stelle schlechter als keiner: Er sähe genauso aus wie ein gemessener.
Aus demselben Grund haben kleine Orte seltener einen Lagewert als große. Wo im Mittel eine Störung je Stunde gemeldet wird, ist der Unterschied zwischen null und zwei kein Signal, sondern Zufall.